Im Vorfeld zum ersten Mediapodium des MAZ im KKL unter dem Titel «Citizen Journalism – Können alte Medien in der neuen Welt überleben?»
hatte ich ein wenig über Bill Kovach gegoogelt (oder im heutigen Journalistenjargon "recherchiert";) ).
Nun 2 Monate später macht die Sonntagszeitung ein grosses Interview mit Bill Kovach. Da
Peter Hartmeier, Chefredaktor des Tagi (einen direkten Link zu einem Hartmeier Porträt auf Tamedia habe ich leider nicht gefunden!) an der MKAKZL-Veranstaltung als Redner teilnahm, kommt das wohl nicht von ungefähr.
Interessant am Interview sind für mich zwei Passagen.
1) Bill Kovach ist ursprünglich Albaner, aber in den USA interessiert das wohl kaum jemanden. Kovach ist Kovach.
Wann gibts bei uns Albaner, wo das Albaner sein nicht auf Fussball, Kickboxing und SVP-Propaganda beschränkt bleibt und - mit einer gewissen Zeitverzögerung - kein Thema mehr ist?
2) Auf die Frage, ob Bill Kovach seinen eigenen Blog habe, antwortet Bill Kovach:
Nein. Ich bin zu ungeschickt, ich kann zu wenig damit umgehen. Ich lese Blog-Einträge, ich schätze sie, aber ich bin selber nicht in der Lage, aktiv zu partizipieren.
Diese Bescheidenheit gefällt mir und sie sagt viel mehr aus, als man vielleicht meinen könnte. Es ist offensichtlich, dass viele (es gibt löbliche Ausnahmen) traditionelle Medien und Firmen ein riesengrosses Problem mit der neuen Medienkompetenz haben, nur merken sie es nicht - gerade weil sie nicht über diese Medienkompetenz verfügen. Es ist nicht so, dass das Softwaretool Blog diese Probleme löst, es geht um etwas Fundamentaleres.
Das ist auch genau mein Problem, wenn ich Vorträge zum Thema Blog halte. Da ich natürlich immer auch die Kappe des Geschäftsführers von
Kaywa trage, bin ich hin- und hergerissen zwischen "Blogs verkaufen" und "Aufklärung". Aufklärung braucht bedeutend mehr Aufwand und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Doch letztlich bin ich überzeugt, dass nur dieses Vorgehen zur nötigen Medienkompetenz führen wird - nicht kurz-, sondern mittel- bis langfristig.
Wie sehen das andere? Es würde mich interessieren.
PS:
Krusenstern hat bereits über den Anlass wie auch den Sonntagszeitung-Artikel berichtet:
Weblogs werden Präsidentschaftskandidaten küren
Weblogs verändern den Journalismus