«Darüber reden wir lieber nicht» oder der Rütlirapport und die Frauen
| Von roger @ 10:08 | [ Politik ] |
In seiner Rede - die schon abrufbar, bevor er sie hielt - sagt er z.B.
Neben der Neutralität und einer pragmatischen Handelspolitik gehörte diese Strategie sicher zu den wichtigsten Entscheidungen aus der damaligen Zeit. Ob nun das Réduit gut oder schlecht war; ob es richtig war, das Mittelland und mit ihm ein Gros der Bevölkerung preiszugeben; ob sich die Achsenmächte tatsächlich durch den demonstrativen Wehrwillen abschrecken liessen – solche Fragen sind unnötig!Dass es auch noch eine andere, wissenschaftliche(re), Sicht der Dinge gibt, zeigt Christof Dejung, Oberassistenz für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich, in der heutigen NZZ:
Am Rapport auf dem Rütli 1940 teilte General Guisan seinen Kommandanten auch einen kurz zuvor gefassten Entscheid mit: den Rückzug des grössten Teils der Feldarmee ins Alpenréduit. Militärisch machte dies durchaus Sinn. Der Preis dafür war jedoch hoch. Das gesamte Mittelland, alle grösseren Städte und damit vor allem die Angehörigen der Soldaten wären bei einem Angriff ohne militärischen Schutz gewesen.Christof Dejungs Dissertation «Aktivdienst und Geschlechterordnung. Eine Kultur- und Alltagsgeschichte des Militärdienstes in der Schweiz 1939-1945» erscheint im Herbst im Chronos-Verlag.
[...] Bis zum Sommer 1940 galt der Schutz der zu Hause gebliebenen Frauen und Kinder als zentrale Aufgabe der Schweizer Soldaten. Die identitätsstiftende Balance zwischen schützender Armee und zu beschützender Zivilbevölkerung war durch den Réduitbeschluss auf den Kopf gestellt worden.
«Vom General glaubte man nicht, dass er so einen Verrat beginge», sagt Leni A., die 1940 16-jährig war. «Ich glaube, wenn einem damals bewusst geworden wäre, was abläuft, hätte man es als Verrat empfunden». In Interviews mit Zeitzeuginnen wird deutlich, dass viele Frauen bis heute nicht realisiert haben, dass sie nach dem Bezug des Réduits ohne militärischen Schutz zurückblieben.
[...] Die 1932 geborene Gertrud V. erinnert sich daran, was sie empfand, als sie bei Kriegsende erstmals vom Réduit erfahren hatte: «Ich fragte mich, was im Ernstfall mit uns hier an der Grenze passiert wäre, wenn doch alle Soldaten im Réduit waren. Wären wir einfach preisgegeben worden? Meine Mutter sagte: "Darüber reden wir lieber nicht."»
Die Interviewzitate stammen aus dem Oral-History-Projekt «Archimob» zum Zweiten Weltkrieg: www.archimob.ch
Tags: Rütlirapport, Oral History, archimob
Kommentare
2005-07-24 14:38:18
Überrascht mich auch immer wieder, wie wenige Leute über das Réduit Bescheid wissen. Dabei ist für mich gerade das Réduit ein Beweis, dass die Schweizer Armee nicht in der Lage wäre das Land zu verteidigen. Und das macht diese ganze Institution für mich zu einer fragwürdigen Angelegenheit.
2010-04-13 18:19:24
Lieber stehend sterben, als kniend leben.
2010-07-17 15:32:02
Könnten Sie mir mitteilen, unter welcher INTERNET ADRESSE man die Ansprache auf italienisch von Bundesrat Enrico Celio vom 25.6.1940 findet.
Internet Adresse ?
Oder sie mir bitte auf meine nachstehende E-Adresse übermitteln/scannen. Bezahle Ihre Auslagen falls per Post.
Danke
André Dörflinger
Grünauring 24
6014 Luzern
adoerflinger@gmx.ch
2010-07-17 16:48:55
Sehr geehrter Herr Dörflinger,
Leider kenne ich keine solche Internet-Adresse.
Ich würde hier am ehesten beim Medienzentrum nachfragen. Hier der Link:
admin.ch: Medienzentrum
2011-08-20 23:55:10
Danke !! 20.08.11
Werde nicht nachlassen, diese persönlich zu suchen, zwecks sprach-vergleichender Studie mit jener von P.-G. & Ph.E.. Zuviele ? bestehen hinsichtlich die Ue-
bersetzung vom F ins D.Ist sie im I. auch so "speziell" rübergekommen wie im D? Hege da so meine Zweifel. Auch fehlt die
rein militärische Lebenslauf-Bewertung Guisans auf mind. 200 S. unter dem Titel "Die ersten 1000 Kriegs-Tage 1939/41" - Mythen-Ueberhöhungen-wirkliche Wirklichkeit -> Die wahre Rolle Etters <- oder wie sich gewisse Kriegsgrössen ge-sichtswahrend in die Nachkriegszeit hin-überschleichen konnten > bis heute der Schleier ihrer wirklichen Tätigkeit 1940/41 nicht gelüftet ist > wird.
2011-08-20 23:55:44
Danke !! 20.08.11
Werde nicht nachlassen, diese persönlich zu suchen, zwecks sprach-vergleichender Studie mit jener von P.-G. & Ph.E.. Zuviele ? bestehen hinsichtlich die Ue-
bersetzung vom F ins D.Ist sie im I. auch so "speziell" rübergekommen wie im D? Hege da so meine Zweifel. Auch fehlt die
rein militärische Lebenslauf-Bewertung Guisans auf mind. 200 S. unter dem Titel "Die ersten 1000 Kriegs-Tage 1939/41" - Mythen-Ueberhöhungen-wirkliche Wirklichkeit -> Die wahre Rolle Etters <- oder wie sich gewisse Kriegsgrössen ge-sichtswahrend in die Nachkriegszeit hin-überschleichen konnten > bis heute der Schleier ihrer wirklichen Tätigkeit 1940/41 nicht gelüftet ist > wird.



