Weisung des Stadtrats an den Gemeinderat bezüglich Open Source Software
| Von roger @ 22:35 | [ Zürich ] |
In der Weisung des Stadtrats an den Gemeinderat vom 29. Juni bezüglich Einsatz von Open-Source- und freier Software in der Stadtverwaltung Zürich kommt der Stadtrat zu folgendem Fazit:
OSS ist überall dort einzusetzen, wo die Anforderungen erfüllt und es wirtschaftlich interessant ist. Entgegen den prominenten Entscheidungen anderer Städte enthält sie jedoch keine politische Komponente, die OSS grundsätzlich bevorzugt.Das tönt alles noch recht gut, in Tat und Wahrheit scheint sich aber das Ganze vorerst auf den vermehrten Einsatz von Linux-Servern und Apache zu beschränken.
Aus den einleitend aufgeführten rechtlichen Erwägungen hat sich der Stadtrat entschlossen, nicht "aktiv" am OSS-Markt aufzutreten, um nicht in Rechtshändel im Zusammenhang mit der Verwendung oder Weitergabe von OSS-Software verwickelt zu werden. Hingegen soll in der Stadtverwaltung überall dort, wo es sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist, vermehrt OSS eingesetzt werden.
Hier noch einige, teils amüsante, Zitate aus der Weisung (PDF). Die Lektüre der Weisung ist übrigens allen an Open-Source interessierten sehr zu empfehlen.
Flexibilität und Lernbereitschaft beim bestehenden Personal sind ein Muss. Typische Mitarbeitende im OSS-Umfeld sind initiative, kreative und frei denkende Personen mit guten Englischkenntnissen und ausgeprägtem Pioniercharakter, auf jeden Fall keine klassischen IT-Mitarbeitende. OSS-Teams sind aus der Konstellation und ihrer "freakigen" Mentalität und Motivation nicht leicht zu führen und brauchen für einen ergebnisorientierten Einsatz starke Leitplanken und Führung. Zudem entstehen besondere, tiefer gehende Abhängigkeiten zwischen diesen Mitarbeitenden und den neuen Partnern oder Entwicklergemeinschaften und Projektteams, so genannte Communities. Clientseitig ist die Nutzung von OSS eher ungewohnt und oftmals mit beschränkter Funktionalität verbunden. Der Benutzerakzeptanz und dem Ausbildungsbedarf der Endanwendenden und der Informatiker muss daher besondere Beachtung geschenkt werden.
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Kurzfristig wurden als Ausgangspunkt und erste Schritte die nachfolgenden Aktivitäten zur Vorbereitung einer breiteren Einführung von OSS eingeleitet:
Aufgrund von organisatorischen, finanziellen und zeitlichen Argumenten kommen weitere identifizierte Stossrichtungen, wie zum Beispiel die Einführung eines Linux-Clients, allenfalls erst zu einem späteren Zeitpunkt zum Tragen.
- Aufbau von Linux-/OSS-Kernteams für den Betrieb von Linux-Servern (Hard- und Soft-ware) und OSS-Applikationen bei der OIZ.
- Einführung von Linux als neues und zusätzliches standard Betriebssystem für Server.
- Etablierung eines OSS Webservers als Standard.
- Aufbau eines OSS-Technologiestacks, d. h. eines abgestimmten Set's von Entwicklungswerkzeugen, Programmen und Modulen, für Browser basierte Anwendungen mit einer OSS Entwicklungsumgebung. Der geplante Technologiestack soll dabei zumindest die Ebenen Betriebssystem, Datenbank, Applikationsserver und Komponentenframework abdecken (Tabelle Software-Welt der Stadtverwaltung). Zur Entwicklung werden folgerichtig ebenfalls OSS-Werkzeuge benutzt.
- Oracle von Unix (AIX der Firma IBM) auf Linux portieren.
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Im Gegensatz zu andern öffentlichen Verwaltungen weist die Stadtverwaltung Zürich eine moderne, aktuelle Client-Infrastruktur auf. Diese basiert auf den aktuellen Software-Paketen, welche auf der Grundlage einer speziellen Vereinbarung mit einem preisgünstigen Lizenzierungsmodell zwischen Microsoft und der Verwaltung der Stadt Zürich beschafft wurden. Mittelfristig besteht kein Erneuerungsbedarf weder für die Software der Client-Umgebung - sie kann bis 2007 ohne Mehrkosten laufend auf den neuesten Stand gebracht werden - noch für das Vertragswerk.Siehe auch:
Open standards & open source resources (Mass. Gov)
Kommentare
2005-07-10 16:40:18
mhhh....
"sie kann bis 2007 ohne Mehrkosten laufend auf den neuesten Stand gebracht werden - noch für das Vertragswerk."
weiss jemand wo und wie man dieses vertragswerk beziehen kann?
grüssemo
2005-07-11 09:35:34
Keine Ahnung. Weiss auch nicht, ob sowas öffentlich zugänglich ist.
Oder muss die Stadtverwaltung alle Verträge offenlegen - ich glaube kaum.



